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Der Finanzminister von Thailand

Gestern fuhren mein Chef und ich nach Bangkok, um an einem Lunch teilzunehmen zu dem mich die British Chamber of Commerce eingeladen hatte. Mein Chef hatte nachmittags ohnehin noch ein Meeting mit vietnamesischen Kunden, so traf sich dies sehr gut, auch deswegen weil ich noch helfen konnte während der Fahrt eine Präsentation fertig zu gestalten. Das Treffen mit dem Finanzminister fand im “The Ballroom” des Holiday Inn in der Silom Road statt.

Wie ich später von einem Manager erfuhr kommen in letzter Zeit öfters Minister und hochrangige Politker zu Treffen dieser Art um die Geschäftsleute zu beruhigen. Die politische Situation ist nicht allzu sicher, noch immer haben wir hier eine Militärregierung an der Macht. Den Wahlen am 23. Dezember schaut man deshalb gespannt entgegen und eine gewisse Nervosität ist zu spüren. Der Termin des 23. Dezember ist für viele ein wenig ungünstig, besonders diejenigen die im Tourismusbereich arbeiten. Während man beim Tante-Emma Laden an der Ecke jedoch Bier und Whiskey kaufen kann, ist über Bars und Restaurants ein stricktes Alkoholverbot verhängt. Mr. Warensteiner sah man seinen Unmut darüber ein wenig an: der britische Langzeit-Expat hat nämlich auch vier A-Gogos in Pattaya.

Eine Peinlichkeit blieb mir bei dem Luncheon nicht erspart. Bei jedem Gespräch, seis nur eine Minute Smalltalk, bekam ich eine Visitenkarte in die Hand gedrückt. Da verwies ich dann immer auf meinen Chef und musste mich entschuldigen. Es nahm mir aber natürlich keiner übel.

Ein sehr nettes Gespräch hatte ich mit einer etwas älteren Thai. Sie war überglücklich zu hören dass ich Österreicher bin. Sie tat ihre Freude so laut kunnt, dass es der deutsche Geschäftsmann neben uns es auch hören konnte, die Österreicher seien ihr viel lieber als die Deutschen. Aber sie lächelte wenigstens dazu. Sie war schon unzählige Male in Österreich und auch Tirol kannte sie sehr gut.

An dem Lunch nahm auch noch der neue britische Botschafter in Bangkok teil, der dann den Finanzminister willkommen hieß. Thema war neben der politischen Lage auch die Volatilität an den Finanzmärkten. Finanzminister Chalongphob Sussangkarn arbeitete 6 Jahre bei der Weltbank in Washington D.C. und schien mir ziemlich kompetent zu sein. Das Problem in Thailand ist im Moment der starke Baht. Vorallem die Exportwirtschaft bekommt dies zu spüren. Die Bank of Thailand versucht die Währung zu stabilisieren, dazu haben sie Reserven in Miliardenhöhe. Eine Krise wie 1997 ist kein Thema bei den Verantwortlichen. Dennoch sprach ein Gast den Finanzminister auf das Thema “Moral Hazard” an.
Ein weiteres Thema war die Verstärkung der Marke “Made in Asean“. Der Wirtschaftsraum wird sich wohl an dem Modell der EU orientieren. Am WTO-Gipfel im Oktober wollen die Minister dies noch deutlicher vorstellen.

 in Der Finanzminister von Thailand
Finanzminister Dr. Chalongphob Sussangkarn

Da mein Chef wegen des Meetings mit den Vietnamesen ein wenig früher los musste, fuhr ich mit der Skytrain von Silom Richtung Mo Chit. Ein wenig geregnet hat es zur Abkühlung, aber im Anzug bei dieser Hitze draussen herum laufen ist kein allzu großer Spaß. Später musste mein Chef noch zu unserem Direktor. Es darf in Thailand ja kein Ausländer eine Firma, ein Haus oder ein Grundstück besitzen. Deswegen gibt es Anwaltskanzleien, die sich auf dieses Problem spezialisiert haben.

Zurück in die Firma kamen wir erst gegen 20 Uhr. Nach dem ich dann später Gaan am Strand noch etwas gegessen habe, bin ich schon recht früh ins Bett.

 in Der Finanzminister von Thailand
Folgen der Asienkrise von 1997 sieht man immer noch genug: ein über 30 Stockwerke hohes Gebäude, das nie fertig gebaut wurde