Erstaunlich ist beim Herumgehen im verlassenen Camp, dass die Rothemden nahezu alles zurückgelassen haben. Persönliche Gegenstände wie Familienfotos, Taschen mit Kleidung, Fernseher, Ventilatoren, Kopfpolster, Autos und Motorbikes. In den Kühlboxen liegen noch Eiswürfel, in den Pfannen der Garküchen frisches Essen. Die Menschen müssen wirklich in absoluter Panik das Lager verlassen haben als die Armee vorrückte. Eine so schnelle Flucht kann man sich nur damit erklären, dass die Leute Angst hatten die Soldaten würden hier einfach jeden niederschiessen der noch hier ist.
Vor der Hauptbühne der Rothemden harrt noch eine einzige Frau aus. Sie hält eine Flagge in der Hand. Als die Soldaten zusammen mit der Pressearmee ankommen steht sie auf und beschimpft sie, den Tränen nahe. Sie ist die letzte von zuvor tausenden Demonstranten.
Für viele Soldaten ist dies wohl auch ein aufregender Tag. Ich sehe nicht selten dass sie sich gegenseitig mit den Relikten der Rothemden fotografieren.
Immer wieder sehen wir festgenommene Rothemden.
Die Barrikade an der Kreuzung Chit Lom/Sukhumvit ist vollständig niedergebrannt, genauso eine kleine Polizeibox davor.
Hier ein Bild der südlichen Barrikade nahe des Lumphini Parks. Die Einsatzkräfte rückten morgens von hier aus Richtung Norden vor. Anders als eigentlich alle anderen Reporter die ich sehen konnte ging ich von der Nordseite (Pratunam) durch die letzten Gebiete militanter Schwarzhemden ins ehemalige Camp hinein.
Wir kommen zurück zur Hauptbühne an der Rajprasong Kreuzung. Mittlerweile steht das Central World in Flammen.
Es ist wahnsinnig heiß davor zu stehen und Fotos zu machen. Immer wieder hören wir drinnen Explosionen von vermutlich Gasflaschen. Die Glasfassade des ZEN zerspringt immer weiter und fällt vor uns auf den Boden nieder. Die automatischen Sprenkler haben schon längst kein Wasser mehr, die Feuerwehr rückt nicht an. Laut Regierung (Statement kam am nächsten Tag, 20.5.2010), lassen die Rothemden keine Feuerwehr durch. Das muss ich jedoch bezweifeln, denn der Weg von Seiten Chitlom her war zu diesem Zeitpunkt (17:30) bereits frei.
In dem ganzen Trubel treffe ich dann noch James Nachtwey. Er ist einer der besten Fotografen die ich kenne. Ihn einmal zu treffen war mir daher eine große Ehre. Leider hatte er nur kurz Zeit zu quatschen und wollte auch nicht fotografiert werden. Er war gerade einfach nur in seine Arbeit vertieft.
Bereits Stunden zuvor haben Helikopter über uns Flugblätter abgeworfen. Ab 20:00 Uhr gilt eine allgemeine Ausgangssperre in ganz Bangkok und auch den anderen Provinzen in denen der Ausnahmezustand verhängt wurde. Es ist nun bereits ruhiger geworden, vereinzelt hört man noch Schüsse. Wir gehen unter der BTS Hochbahn die Sukhumvit entlang, mitten auf der Strasse die sonst immer dicht befahren ist. Es ist nahezu dunkel, nur wenige Strassenlaternen brennen. Überall stehen Soldaten und auch Polizisten. Wir treffen einen der nun sehr wenigen Motorbike Taxifahrer und verschwinden.
















