Morgens schrieb bereits Michael Yon über Twitter, dass Soldaten die Südseite des Camps der Rothemden gestürmt hätten. Über die Barrikaden die an der Rama IV. zum Lumphini Park errichtet wurden fuhren Panzer und Bulldozer. Zur selben Zeit gab die Führung der Rothemden auf der Hauptbühne bekannt, dass sie aufgeben. Die Verzweiflung und vor allem Enttäuschung unter den Rothemden war groß. Die Soldaten rückten immer weiter vor. Die Menschen verliesen in Panik das Camp und liesen nahezu alles zurück.
Mein Motorbike Taxifahrer fährt mich von der Saphan Asok nach Pratunam. Wir kommen an zwei Armee Checkpoints vorbei doch dürfen passieren. In den engen Strassen des Händlerviertels drängen sich die Menschen, Anwohner, die zusehen was auf der Hauptstrasse vor sich geht. Die Petchburi Road ist menschenleer, die Barrikaden aus Autoreifen sind angezündet.


Die Rothemden auf der anderen Strassenseite zerstören Telefonzellen und ATMs. Sie schreien wütend. Nicht ratsam dort hin zu gehen, die Armee hat hier noch keine Kontrolle. Ich bleibe unter den Anwohnern. Irgendwie kommt mir vor dass es für viele der hier lebenden Thais fast eine Art Unterhaltung ist. Man schaut zu, lacht untereinander. Ich frage immer wieder ob es halbwegs sicher sei hier oder da weiterzugehen. Man wisse es auch nicht so recht, aber “very nice to meet you”. An der Hauptstrasse in Pratunam sind ebenfalls noch viele Anwohner in den Seitenstrassen. Sie verbarrikadieren sich hinter umgeklappten Holztischen. Die ersten Leute kommen mit Plünderware aus dem ehemaligen besetzten Gebieten der Rothemden. Ein Karton voll schöner Hemden, der andere vollgepackt mit Jeans. Der BigC an der Ratchaprasong wird ausgeräumt. Ein Thai öffnet seine große Tasche, drinn alles Markenbrillen. Tatsächlich Markenbrillen aus den teuren Shoppingcenter und keine Fälschungen wie man sie sonst in Thailand überall bekommt. Er bietet mir die Brillen an, ich solle einfach zugreifen wenn mir etwas gefällt, “today no pay” und er lacht. Dankend und ebenfalls lachend lehne ich ab.





Die Strassen sind leer an der Kreuzung Pratunam/New Petchburi. Der nördliche Haupteingang ins ehemalige Lager der Rothemden ist verlassen. Ich sehe mich soweit es geht um und renne über die Strasse unter die Brücke. Keine Rothemden, keine Schwarzhemden, keine Armee. Die Barrikade wurde aufgegeben. Davor stehen 5 große Gasflaschen und mehrere zu Bomben umgebaute Feuerlöscher, alle verdrahtet. Wäre die Armee hier rein gestürmt, hätten die Rothemden die Bomben gezündet. Die Wucht der Explosion hätte wahrscheinlich auch die Panzer zerstören können.

Ein Reporter kommt durch die Barrikade durch, er fragt mich ob er hier weiter gehen könne. Gute Frage, was will man da schon sagen. Hinter der Barrikade sehe ich dann das andere Ende der Kabel die von den Bomben kommen. Eine einfache Motorbike Batterie als Zünder. Mit einfachsten Mitteln effektive Waffen bauen, auch hier zeigt sich das Improvisionstalent der Thais.

Ich sehe vor mir eine Strasse die im Chaos versinkt. Tage zuvor waren hier noch tausende Anhänger der Rothemden. Nun brennt es auf den Strassen und in Häusern. Plünderer ziehen umher und brechen ATM’s (Bankomaten) auf. Die Alarmsirenen der Banken und Geschäfte erschallen laut. Es gibt hier keine Autorität, es herrscht Anarchie.






Ich treffe Armand, einen Franzosen der etwa in meinem Alter ist. Wir quatschen darüber wo wir gerade herkommen und wie es dort aussieht. Wir beschließen zusammen weiterzugehen. Die ganze Zeit schon hören wir immer wieder 5,56mm in kurzen Abständen abgeschossen. Wir können nicht genau lokalisieren von wo die Schüsse kommen, aber sie klingen nicht zu weit weg. Plötzlich eine Explosion. Die nördliche Barrikade durch die ich gerade ins Lager gekommen war steht in Flammen. Sofort kommen mehrere Anwohner und versuchen den Brand zu löschen. Das Wasser kommt aus dem Klong unter der Brücke. Die Anwohner müssen bereits damit gerechnet haben, dass diese Barrikade wie die meisten anderen auch, früher oder später in Flammen aufgehen wird. Denn ansonsten wären sie nicht so schnell mit einem Feuerwehrschlauch da gewesen, die normale Feuerwehr hatte zu der Zeit noch keine Möglichkeit ins Gebiet zu kommen.



Der Gestank von brennenden Gummi wird so schnell nicht aus meiner Nase gehen. Selbst jetzt beim Schreiben dieses Artikels rieche ich wieder den Gestank wenn ich mir die Fotos ansehe. Ein Sanitäter den wir treffen gibt uns mehrere Atemschutzmasken.
Seitlich an der Barrikade entdecke ich noch Benzinbomben die zurückgelassen wurden. Viele davon liegen auch in der Barrikade weshalb es immer wieder zu kleineren Explosionen kommt.
